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Die Phantasie schreibt die schönsten Geschichten

Der Arbeitskreis Leseförderung in Köln nimmt Kindern die Scheu vor dem Buch

Wie unterhaltsam das Spielen mit Worten als Einstieg in die Welt des Lesens sein kann, zeigten Michael Zaches und Harry Böseke

Zündorf — Was soll ein Schwein – mit einem Bein — ganz allein – auf dem Rhein?
Ist doch klar: Es soll sich reimen. Vergnügliche, selbsterdachte Kurzgedichte zu allerlei tierischen Besonderheiten gehörten zum Mitmachprogramm für Fünftkläßler, das jetzt im Rahmen des Projektes „Leseförderung in Köln“ die Mädchen und Jungen in der Bibliothek des Schulzentrums Heerstraße erfreute. Im spielerischen Umgang mit Sprache und dem unterhaltsamen Zusammenfügen von Worten zu Geschichten sollen die Kinder dabei erfahren, daß die eigene Phantasie die schönsten Geschichten zustande bringt – wenn sie durch Lesen angeregt wird und nicht vor der Flimmerkiste erstarrt.

Seit einem Jahr ist der Arbeitskreis Leseförderung in Köln, der auf Initiative der Stiftung City-Treff gegründet wurde, überaus aktiv. Statt den stetigen Verfall der Lesekultur nur zu beklagen, engagieren sich die Stiftung, das Kulturamt der Stadt, die Stadtbücherei und katholische Büchereien sowie weitere Institutionen gemeinsam mit Lehrern, Bibliothekaren und Autoren auf vielfältige Weise. Grundschulen bekommen Bücherkisten zum Stöbern, Märchenerzählerinnen bereisen die Schulen, Buchtage und -wochen locken mit Lektüre.

Bevor die Kinder in Grund- und Hauptschule, Realschulen und Gymnasien aber zu Bücherwürmern erzogen werden können, müssen sie erst einmal die Scheu vor dem Betreten einer Bibliothek verlieren. Das dürfte bei den Zündorfer Schülern gelungen sein. Denn Kinderbuchautor Harry Böseke und Musiker Michael Zachcial ( Herr Zaches ) hielten die Mädchen und Jungen bei Singspielen auf Trab, führten sie auf Buchstabenreisen durch die halbe Welt und verwandelten mit Hilfe eines witzigen Würfels, der den Akteuren die gute oder böse Miene zum Spiel diktierte, die Bücherei in ein Stegreif-Theater.

Bei den Wortspielen und Reimen waren auch die Leiterin der Bibliothek, Renate Gödel, und Uschi Schröter von der Stiftung City-Treff schnell mit einbezogen. Die Fünftkläßler hatten auch Gelegenheit, einen Tannenbaum zu schmücken — mit Zetteln voller Wünschen, die man nicht kaufen kann. Der Frieden in der Welt, einer der am häufigsten aufgeschriebenen Wünsche, dürfte wohl so leicht nicht herzustellen sein. Aber vielleicht geht ja die Hoffnung eines Elfjährigen in Erfüllung, der sich „eine nettere Schwester“ wünscht.